5. Oktober 2015

IW-Studie: Nachfrage nach stationärer Versorgung steigt

Der Bedarf an stationärer Versorgung wird in den nächsten 15 Jahren in Deutschland stark steigen. Das ist ein wesentliches Ergebnis einer Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) Köln. Auf Grundlage von aktuellen demografischen Daten prognostiziert die Studie bis 2030 einen zusätzlichen Bedarf von rund 200.000 stationären Pflegeplätzen. Das entspricht einem Zuwachs von rund 20 Prozent.

IW Studie

Diese Studie ist deshalb so interessant, weil sie empirisch belegt, was Branchen-Kenner seit Jahren sagen – gleichzeitig aber der aktuellen politischen Linie widerspricht: In der Pflegepolitik gilt die Maxime „ambulant vor stationär“. Ambulante Lösungen werden als Alternative zum Pflegeheim propagiert – eine sozialromantische Vorstellung, die jedoch mit der Wirklichkeit nicht viel gemein hat.

Vor diesem Hintergrund sind die Gründe aufschlussreich, die die Studie für den Nachfrageanstieg bei der stationär Pflege nennt: Ambulante Pflege lässt sich meist nur organisieren, wenn Angehörige zumindest unterstützend tätig werden – und sei es nur bei der Planung und Koordination. Genau diese Unterstützung des sog. informellen Pflegesektors wird aber immer weniger:

  • Die Zahl der Singlehaushalte nimmt zu. Dadurch entfällt zunehmend die Möglichkeit, im Alter durch einen Partner gepflegt zu werden.
  • Die Zahl der Kinderlosen wächst und liegt in der Gruppe der 45-54-Jährigen bei 19 Prozent.
  • Die Erwerbstätigenquote (insbesondere bei Frauen) steigt.
  • Dass ein sinkendes Pflegepotenzial durch Partner und Kinder durch weitere Verwandtschaft, Freunde, Bekannte, Ehrenamtliche etc. ersetzt werden kann, ist nicht abzusehen.

Dieser Befund ist zweifellos richtig. Er deckt sich auch mit anderen gefühlten gesellschaftlichen Trends, wie z.B. der zunehmenden Individualisierung, hoher Mobilität, Erosion klassischer Familienstrukturen etc.

Mit anderen Worten: Auch wenn die Politik es offensichtlich nicht wahrhaben will: Das Pflegeheim ist kein Auslauf-, sondern ein Zukunftsmodell. Ambulante und stationäre Angebote stehen nicht in einem Konkurrenz- sondern in einem zeitlich komplementären Verhältnis.

Ab einem bestimmten Grad an Pflegebedürftigkeit ist in der Regel nur eine stationäre Lösung in der Lage, eine gute Versorgung sicherzustellen. Und weil dort Pflege besser organisiert und Personal effizienter eingesetzt werden kann, Anfahrtszeiten entfallen etc., ist und bleibt das auch volkswirtschaftlich eine sinnvolle Lösung. Denn auch in der Pflege sind die Geld und qualifiziertes Personal knapp.

 


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